17% der Schweizer Kinder haben Übergewicht

Veröffentlicht am 15.09.2013.

Über alle Schulstufen betrachtet sind etwa 17% aller Kinder und Jugendlichen in der Schweiz übergewichtig oder adipös, wobei vier Prozent der Schüler/innen ein starkes Übergewicht haben. Das bedeutet zwar einerseits, dass die Zahl der übergewichtigen Kinder in der Schweiz stagniert. Andererseits befindet sie sich weiterhin auf hohem Niveau. Das sind Zahlen und Urteile aus dem aktuellen „Vergleichenden Monitoring der Gewichtsdaten von Kindern und Jugendlichen in der Schweiz“. Passend zu diesen aktuellen Zahlen haben Schweizer Kinderärzte jetzt Alarm geschlagen, berichtet die NZZ am Sonntag. Sie haben beim Bundesamt für Gesundheit einen Antrag gestellt, die Kassenpflicht für Therapien auszudehnen, mit denen übergewichtige Kinder behandelt werden.

Ausländische und ärmere Kinder sind häufiger betroffen
Das Vergleichende Monitoring hat nur wenige Unterschiede zwischen den Geschlechtern im Anteil übergewichtiger Kinder und Jugendliche festgestellt. Deutlicher waren die Unterschiede dagegen zwischen ausländischen und schweizerischen Kindern in der Schweiz. Schaut man auf alle Kinder in der jeweiligen Gruppe, dann sind laut Studie „knapp 25 Prozent der untersuchten ausländischen und 15 Prozent der schweizerischen Kinder übergewichtig“. Geht man etwas mehr ins Detail, so liegt der Unterschied auf der Basisstufe der Schule bei 6, auf der Mittelstufe bei 11 und in der Oberstufe bei knapp 10 Prozentpunkten. Unterschiede zeigen sich auch bei Kindern ärmerer und wohlhabenderer Eltern. „Ganz allgemein steigt der Anteil der Übergewichtigen zwar unabhängig von der sozialen Herkunft mit zunehmendem Alter an, aber der Anstieg fällt bei den Kindern von Eltern mit einem höheren Ausbildungsniveau vergleichsweise gering aus“, heisst es in der Studie.

Das Vergleichende Monitoring beruht aus einer Analyse von Daten aus den Kantonen Basel-Stadt, Basel-Landschaft, Bern, Genf, Graubünden, Jura, Luzern, Obwalden und St.Gallen sowie den Städten Bern und Zürich. Veröffentlicht wird das Monitoring von Gesundheitsförderung Schweiz. Die Initiative hat es sich zur Aufgabe gesetzt, die Aktivitäten für die Gesundheit aller Menschen zu initiieren, fördern und durchzuführen. „Sie vereint Vertreter von Bund, Kantonen, Versicherern, der Suva, der Ärzteschaft, der Wissenschaft, der auf dem Gebiet der Krankheitsverhütung tätigen Fachverbände und weiterer Organisationen in einer Institution“, heisst es auf Gesundheitsfoerderung.ch.

Eltern sind Vorbilder
„Die «Epidemie des Übergewichts» scheint sich „bei den Kindern gegenwärtig nicht mehr weiter auszubreiten“ ist ein Fazit des Monitorings. Das weckt zwar einerseits Hoffnung, dass man dem Übergewicht bei Kindern in der Schweiz durchaus Herr werden kann. Für Schweizer Kinderärzte ist das allerdings keineswegs ein Signal zur Entwarnung. „Die betroffenen Kinder bekommen nicht die Behandlung, die sie dringend nötig hätten“, urteilt etwa Ärztin Dagmar l'Allemand von der Arbeitsgruppe Adipositas der Schweizerischen Gesellschaft für Pädiatrie gegenüber der „NZZ am Sonntag“. Hier herrscht also möglicherweise Nachholbedarf. Und insgesamt gilt: Besser, als Adipositas zu bekämpfen, ist es natürlich, von Anfang an Übergewicht bei Kindern zu verhindern. Passende Ernährung und Bewegung sind die beiden Komponenten einer gelungenen Abwehr gegen Übergewicht.

Eine nicht unerhebliche Rolle kommt den Eltern zu, die sowohl positiv als auch negativ als Vorbild dienen können. Die Ernährung der Eltern ist in der Regel auch die der Kinder und wenn Eltern Bewegungsmuffel sind, färbt das oftmals auf die Kinder ab. Umgekehrt gilt: Sind Eltern sportlich, dann ist die Chance gross, dass auch die Kinder sich gerne bewegen. Erwachsene, deren Kinder zu Übergewicht neigen, sollten also auch einen Blick auf ihre eigenen Lebensumstände und Gewohnheiten werfen. Und vielleicht sollten sie überlegen, ob sie sich auch selbst für mehr Bewegung und andere Ernährung entscheiden und das nicht nur von ihren Kindern fordern. Vielleicht kann man ja gemeinsam einige Änderungen initiieren? Passende Zusatzversicherungen der Krankenkassen können dabei helfen, indem sie sich beispielsweise finanziell an den Kosten von Fitnessangeboten beteiligen. So bekämpft man Übergewicht nachhaltig.

Quelle: gesundheitsfoerderung.ch