Fluggepäck weg: Der Rechtsschutz hilft!

Veröffentlicht am 20.04.2014.

Da steht man nun als Tourist am Gepäckband im Flughafen des Urlaubsortes. Man wartet auf seine Koffer und nichts kommt. Die Koffer sind verschollen. Das ist zwar kein Regelfall, aber durchaus auch keine Situation mit einem derart hohen Seltenheitswert, dass man keine Worte über sie verlieren muss. Was also soll man tun, wenn man am Gepäckband steht und vergeblich auf seinen Koffer wartet? Man wird wohl zumindest einige der Dinge, die sich im Koffer befunden haben, neu kaufen müssen, wenn man seinen Urlaub nicht abbrechen möchte. Aber bekommt man den Schaden ersetzt? Im Helvetia-Blog schildert ein Jurist des Helvetia-Partners Coop Rechtsschutz AG einen vielleicht typischen Fall mit Kofferverlust und gibt eine Antwort auf die Frage. Wir schauen sie uns an und haben noch weitere Antworten gefunden.
Man selbst kommt an. Das Gepäck NICHT.
Im Helvetia-Blog schildert der im Rechtsdienst von Coop Rechtsschutz tätige Jurist Ioannis Martinis den Fall der Familie S. aus der Schweiz. Sie wollte das Weihnachtsfest auf der Insel La Palma verbringen und flog deshalb nach Santa Cruz (Inselhauptstadt). Familie S. kam wohlbehalten an. Ihre Koffer dagegen nicht oder... nur kurz. Wie sich im Nachhinein herausstellte, waren auch die Koffer nach Santa Cruz geflogen, wurden dort jedoch nicht der Familie S. ausgehändigt , sondern aus bis heute unbekannten Gründen wieder zurück in die Schweiz geflogen, berichtet der Helvetia-Blog.
Für Familie S. hiess das natürlich einerseits: Vieles, was für den Urlaub gebraucht wurde, musste neu gekauft werden. Am Flughafen war aber erst einmal etwas Anderes wichtig: der Weg zum Lost&Found-Schalter. Nur wer ein Formular als Beleg dafür vorweisen kann, dass er seinen Verlust an einem Lost&Found-Schalter gemeldet hat, kann später erfolgreich eine Entschädigung geltend machen, schreibt Ioannis Martinis. Wünscht man solch eine Entschädigung, muss man das bei der entsprechenden Fluggesellschaft anmelden. Besondere Auslagen müssen dabei quittiert werden, heisst es im Blog weiter. Als Reisender mit Gepäckverlust sollte man sich daher am besten für alles eine Quittung geben lassen, was man aufgrund des Gepäckverlustes kauft. Es ist nämlich kein Problem, irgendwann eine Quittung zu haben, die man gar nicht benötigt. Sehr wohl wird es dagegen zum Problem, wenn man eine Quittung braucht und sie NICHT hat.
Eine unbürokratische Lösung
Im Fall, der im Helvetia-Blog geschildert wird,hat sich Coop Rechtsschutz um die Sache gekümmert und zunächst versucht, eine Einigung mit der Fluggesellschaft zu erzielen. Dafür wurden bei der Berechnung des Schadens nicht nur die neu gekauften Utensilien berücksichtigt, sondern auch ein Unkostenbeitrag (für Umtriebe und Telefonkosten). Ganz einfach drohte der Fall dennoch nicht zu werden. „Leider kann sich die Bearbeitung solcher Fälle sehr lange hinziehen – unter Umständen über mehrere Monate. Die Antwort der Fluggesellschaft liess genau dies vermuten“, heisst es im Helvetia-Blog. Die Lösung hiess daher hier: Coop Rechtsschutz hat den Schaden der Familie S. selbst beglichen und den Fall so abgeschlossen. Das brachte für beide Seiten Vorteile: Familie S. war an einer unbürokratischen Lösung gelegen und die Versicherung hätte bei weiteren Aktivitäten im Fall hohe Aufwendungen gehabt, die „die Forderungssumme bei Weitem übertroffen“ hätten.
Gepäckverlust: Die Dinge sind klar. Und auch wieder nicht
„Das Transportunternehmen (Luftfrachtführer) haftet für Schäden, die durch Zerstörung, Verlust oder Beschädigung von Reisegepäck entstehen (bis zur Höhe von 1 131 SZR (*). Dies gilt weltweit, wenn Ihr Flug durch eine Fluggesellschaft aus der Schweiz oder der EU durchgeführt wurde.“ So schreibt es das Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) auf seiner Website. Als rechtliche Grundlage dieser Regeln nennt das Bundesamt die Verordnung über den Lufttransport, das Übereinkommen von Montreal, die Verordnung über Versicherungsanforderungen an Luftfahrtunternehmen und Luftfahrzeugbetreiber sowie die Verordnung über die Haftung von Luftfahrtunternehmen bei Unfällen.
Noch ein Wort zu „SZR“: „SZR“ steht für Sonderziehungsrechte, eine vom Internationalen Währungsfonds 1969 geschaffene internationale Rechnungs- und Zahlungseinheit. Der Wert des „SZR“ wird dabei täglich in Bezug zu den Währungen Britisches Pfund, Euro, US-Dollar und Yen berechnet. Am 17. April 2014 lag der Wert von einem SZR beispielsweise bei umgerechnet 1,1187€. Damals entsprachen 1131 SZR dann etwa 1265,25€ und (weiter umgerechnet) etwa 1540,69 Franken. Dieses Limit für die Ersatzpflicht von Transportunternehmen existiert übrigens nicht, wenn das Unternehmen vorsätzlich oder grobfahrlässig gehandelt hat, schreibt das BAZL.
Manchmal hilft auch ein Ombudsmann
Haben Reisende ihren Urlaub über ein Reisebüro gebucht und können sie sich mit ihm nicht über einen Schadensersatz bei Gepäckverlust einigen, kann eine Vermittlung des Ombudsmanns der Schweizer Reisebranche unter Umständen helfen. Eine finanzielle Entschädigung bei Gepäckverlust bieten spezielle Rechtsschutzversicherung gute Dienste erweisen, falls es Streit um Entschädigungen bei Gepäckverlust geht. Insgesamt gilt: Man muss sich natürlich nicht zu 100% überall und immer absichern. Das würde auch gar nicht funktionieren. Aber Absicherung an den richtigen Stellen kann dafür sorgen, dass selbst aus einem Urlaub mit Gepäckverlust ein schöner Urlaub werden kann. Darüber könnte man zumindest einmal nachdenken.
Link zum Text: Sondererziehungsrechte