Gebrauchtwagenkauf – Glückssache? Was ist Ihr Recht?

Veröffentlicht am 15.09.2013.

Manche halten den Kauf eines Occasionswagens für ein Glücksspiel. Letztlich weiss man zumindest als Laie nie, was man für einen Wagen bekommt. Ist das so? Als Autolaie hat man es tatsächlich nicht ganz einfach, einen wirklich realistischen Eindruck vom Zustand eines Wagens zu bekommen. Bestenfalls nimmt man sich daher einen Autokenner zur Besichtigung des Wagens mit. Hat man keinen zur Hand, helfen einige Tipps, gute von eher weniger guten Kaufangeboten zu unterscheiden. Man sollte sie beherzigen, denn wenn man einen Mängelwagen erworben hat, wird es oft schwierig oder gar unmöglich, den Kauf rückgängig zu machen. Chancen bestehen, wenn der Verkäufer eines Occasionswagens bewusst Mängel des Autos verschwiegen hat. Aber das muss man eventuell auch erst einmal nachweisen.
Bereiten Sie sich auf den Kauf eines Occasionswagens vor!
Wer selbst viel Ahnung von Autos hat, hat beim Kauf eines Occasionswagens natürlich geringere Probleme. Er weiss genau, welche Stellen des Wagens er sich besonders anschauen sollte, um ein gutes gebrauchtes Auto von einem Wagen zu unterscheiden, von dem man besser die Finger lässt. Die zweitbeste Variante ist der gute Freund oder Bekannte, dem man wirklich vertraut und der oder die weiss, worauf es beim Autokauf ankommt. Steht hier niemand zur Verfügung, können beispielsweise die Verkehrszentren des Touring Clubs Schweiz (TCS) helfen, bei denen ein schneller Proficheck eines Occasionswagens möglich ist. Er ist für TCS-Mitglieder wie Nichtmitglieder möglich, wobei die Kosten für Mitglieder niedriger sind.

Kommt auch solch ein Check nicht in Frage, hilft wohl wirklich nur noch eins: Man muss sich selbst kurzfristig möglichst gut informieren, a) welche Bereiche eines angebotenen Occasionswagens man sich am besten vor einem Kauf einmal ansieht und b) welche sonstigen Informationen, die für eine Kaufentscheidung wichtig sein könnten, man wo bekommen kann. Zu den Bereichen eines Occasionswagens, die man sich vor einem möglichen Kauf ansehen sollte, gehören laut TCS Ratgeber etwa die Beleuchtungen im Innen- und Aussenbereich sowie die Profiltiefe der Reifen, für die der TCS einen Wert von mindestens vier Millimetern empfiehlt. Der Motor, so der TCS weiter, lässt sich von Laien indes nur indirekt beurteilen, indem sie sich etwa ansehen, ob Services regelmässig durchgeführt wurden. Was den Preis angeht, so bieten TCS und auch der Verkehrsclub der Schweiz VCS qualifizierte Telefonauskünfte, was vergleichbare Wagen kosten. Ohne den Wagen zu sehen, können sie allerdings natürlich nicht beurteilen, welche Mängel den Preis eventuell um welche Summe senken würden.

Sie finden Mängel NACH dem Kauf: Was dann?
Hat man den Wagen erst einmal gekauft und dann erst Mängel festgestellt, wird die Sache oft schwierig. Haben Verkäufer und Käufer keine Garantieabsprachen getroffen, gilt die gesetzliche Gewährleistungspflicht bei Mängeln an Kaufsachen, schreibt der Rechtsschutzversicherer Orion auf seiner Website. Laut Artikel 197 im Obligationenrecht (OR) haftet der Verkäufer:

dem Käufer sowohl für die zugesicherten Eigenschaften als auch dafür, dass die Sache nicht körperliche oder rechtliche Mängel habe, die ihren Wert oder ihre Tauglichkeit zu dem vorausgesetzten Gebrauche aufheben oder erheblich mindern. Er haftet auch dann, wenn er die Mängel nicht gekannt hat.“

Die Verjährungsfrist liegt seit Anfang 2013 bei zwei Jahren und ist in Artikel 210 des OR geregelt. Soweit, so gut für den Käufer eines Occasionswagens. Das grosse Problem für ihn: Im Streitfall muss er nachweisen, dass „die von ihm behaupteten Mängel bereits im Zeitpunkt des Vertragsschlusses – mindestens im Keim – bestanden“, schreibt das Verbrauchermagazin Beobachter.ch in einem „Probleme nach Kauf eines Occasionautos“ betitelten Merkblatt, das man im Internet erhält.

Vereinbarungen in Verträgen
In Verträgen für den Kauf eines gebrauchten Autos können andere Regeln als die gesetzliche Gewährleistungspflicht vereinbart werden. Der TCS Rechtsexperte Stefan Burri nennt in einem Artikel in der Neuen Züricher Zeitung die Freizeichnungsklausel, durch die die Gewährleistungspflichten des Verkäufers teils deutlich eingeschränkt werden können. Chancen auf Schutz nach dem Kauf eines Autos mit Mängeln hat der Käufer dann meistens nur noch, wenn der Verkäufer Mängel arglistig verschwiegen hat. Der Nachweis, dass das der Fall war, ist jedoch oftmals schwierig. Wer eine Privatrechtsschutzversicherung besitzt, kann sie nach dem Kauf eines Occasionswagens mit Mängeln in Anspruch nehmen, um abzuklären, wie gross Chancen auf ein erfolgreiches Vorgehen gegen den Kauf sind. Aber auch hier wäre es besser, bereits vor dem Kauf aktiv zu werden und – etwa im Rahmen einer telefonischen Rechtsauskunft – zu klären, was man beim Kauf eines Occasionswagens beachten sollte.

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