Haftpflicht bei Wintersport-Unfällen: Versicherungsfragen

Veröffentlicht am 08.02.2014.

Eine Rechtsschutzversicherung beim Wintersportunfall bedeutend werden.
Wenn man schuld hat, kann es teuer werden
Ein beispielhafter Fall: Jemand war mit einem Schlitten unterwegs und fuhr mit ihm in eine Familie hinein, sodass sich die Mutter der Familie das Bein verstaucht hat. „Wer zahlt?“, war die Frage eines Teilnehmers bei einer Fragerunde des Schweizer Radio und Fernsehens (SRF) zum Thema „Wer beim Schneesport haftet“. Drei Experten standen für Antworten zur Verfügung. Beim oben geschilderten Fall antwortete Franz Erni, ein Rechtsexperte der SUVA. Die Arztkosten werden zwar zunächst von der obligatorischen Unfall- oder Krankenversicherung gezahlt, berichtete er, allerdings wendet sich der Versicherer bei einem Verschulden des Fragestellers an ihn, um die entstandenen Kosten einzufordern. Die verletzte Mutter kommt möglicherweise ebenfalls mit finanziellen Forderungen auf ihn zu, heisst es auf der SRF-Website. Das kann schnell teuer werden und das bei einer vergleichsweise harmlosen Verletzungen. Ist die Verletzung stärker, können die Kosten nochmals deutlich steigern. In solchen Fällen ist es gut, wenn man eine Privathaftpflicht besitzt, die die Kosten übernimmt. Solch eine Versicherung ist jedoch auch kein Freischein für Unachtsamkeit. Der Versicherer zahlt nämlich – abhängig von der Schuld des Versicherten – keineswegs immer in voller Höhe und manchmal auch gar nicht.
Kein Versicherungsschutz besteht laut Versicherungsvertrags-Gesetz VVG (Artikel 14), wenn ein Schaden absichtlich herbeigeführt wird, schreibt der Versicherer Mobi. Als konkretes Beispiel dafür schildert er eine Szenerie mit einem Skifahrer, der absichtlich in einen Snowboarder hineinfährt, weil er sich über ihn geärgert hat. Wer einen Schaden NICHT absichtlich herbeiführt, aber bewusst in Kauf nimmt, bekommt ebenfalls nichts von seiner Haftpflichtversicherung. Mobi nennt hier als Beispiel einen Skifahrer, der ins Tal zur Talstation des Skilifts fährt und hier ohne ein grosses Bremsmanöver in eine Gruppe Wartender rast. Gekürzt werden die Leistungen von den Versicherern, wenn sie von einer Grobfahrlässigkeit des Versicherten ausgehen. Hier nennt der Versicherer Mobi beispielhaft den über eine unübersichtliche Kuppe springenden Snowboarder, der durch seinen Sprung wartende Skifahrer verletzt. Mobi macht bei diesem Beispiel jedoch auch auf eine wichtige Problematik aufmerksam: Vielleicht standen die wartenden Skifahrer ja ihrerseits so hinter der Kuppe, dass man ihnen ebenfalls Fahrlässigkeit vorwerfen kann, sodass die Schuldfrage möglicherweise nicht mehr ganz einfach zu beantworten ist. Hier kann es dann schnell zu einem Streit kommen, der auch vor Gericht ausgetragen wird. In solchen Fällen ist dann eine Rechtsschutzversicherung sehr vorteilhaft.
Die FIS Verhaltensregeln
Ob man bei einem Wintersportunfall haftbar gemacht werden kann oder nicht, wird (nicht nur) in der Schweiz anhand der FIS-Regeln entschieden. Zu den 10 Regeln der Fédération Internationale de Ski (FIS) gehören etwa Regel 8 „Jeder Skifahrer und Snowboarder muss die Markierung und die Signalisation beachten“ und Regel 3 „Der von hinten kommende Skifahrer und Snowboarder muss seine Fahrspur so wählen, dass er vor ihm fahrende Skifahrer und Snowboarder nicht gefährdet“. Allerdings bleibt auch bei diesen Regeln Spielraum für unterschiedliche Interpretationen des Verhaltens von Wintersportlern, die einen Unfall verursachen. Sollten die Interpretationen sehr unterschiedlich sein, droht möglicherweise wiederum ein Rechtsstreit, bei dem dann eine passende Rechtsschutzversicherung sehr nützlich ist.
Link zum Text: Versicherungsvertragsgesetz (VVG)