Hilfe aus der Natur: Heilpflanzen und ihre Wirkung

Veröffentlicht am 24.05.2016.

Das Tausendgüldenkraut– Centaurium erythraea
Das Tausendgüldenkraut gehört als Heilpflanze zu den sogenannten Bitterdrogen. Sie werden in erster Linie eingesetzt, um Magenbeschwerden zu lindern und die Verdauung anzuregen. Die Heilpflanze wirkt zudem beruhigend, appetitanregend sowie entzündungshemmend und stärkt die Abwehrkräfte. 

Für therapeutische Massnahmen verwendet man das getrocknete Kraut samt seiner Blüten und damit alle Teile der Pflanze, die überirdisch wachsen. Wie alle anderen Enziangewächse enthält auch das Tausendgüldenkraut besonders viele Bitterstoffe. Sie werden Iridoglycoside genannt und gelten als die wichtigsten Wirkstoffe der Heilpflanze. Darüber hinaus sind auch Flavonoide, Phenylpropanen, Triterpene und Sterole wichtige Wirkstoffe des Tausendgüldenkrauts.

Heimisch auf drei Kontinenten
Heimisch ist das Tausendgüldenkraut in Europa, Nordamerika und Westasien. Man findet es insbesondere auf Waldlichtungen sowie in Mooren oder am Wegesrand. Das Kraut liebt vor allem kalkreiche sowie lehmige Böden und viel Sonne. Es blüht nur im Hochsommer und öffnet seine Blüten lediglich bei Temperaturen ab etwa 20 Grad. Da die Heilpflanze in Europa inzwischen zu den selten gewordenen Arten zählt, steht sie bei uns unter Naturschutz. Man darf sie hier keinesfalls selbst pflücken, sondern sollte stets nur auf die im Handel erhältliche Ware zurückgreifen.

Tausendgüldenkraut als Heilpflanze in der Geschichte
Bereits in der Antike nutzten Heilkundige das Tausendgüldenkraut als Heilpflanze. Laut Überlieferung des Plinius entstammt der lateinische und botanische Name der Pflanze (Centaurium) einer Sage. Der heilkundige Zentaur Chiron soll mit dem Saft des Tausendgüldenkrauts mehrfach Wunden geheilt haben. „Erythraea“ leitet sich vom altgriechischen Wort „erythros“ ab, was übersetzt „rot“ bedeutet und vermutlich auf die rötliche Farbe der Blüten hinweist.

Im Altertum war das Tausendgüldenkraut insbesondere als Wundheilmittelmittel sehr beliebt. Der griechische Arzt Hippokrates (460-370 v. Chr.) schätzte die Heilpflanze zur Vorbeugung vieler verschiedener Erkrankungen. Dioskurides, der im 1. Jahrhundert n. Chr. als Arzt bei den Römern diente, verordnete das Kraut zudem als Abführmittel, Augenmittel und zur Förderung der Menstruation.

Im Mittelalter war die Heilpflanze ebenfalls ein oft verwendetes Arzneimittel. Hildegard von Bingen (1098-1179) empfahl sie beispielsweise, um die Regeneration von gebrochenen Knochen zu fördern. Der Arzt und Botaniker Adam Lonitzer (1528-1586) setzte das Kraut gegen viele verschiedene Leiden ein. In seinem Kräuterbuch schreibt er, dass sich das Tausendgüldenkraut als Magen- und Darmmittel eignet, dass es zudem gut für die Augen sowie gegen Fieber ist und darüber hinaus als Abführmittel einnehmbar ist. Im Lauf des Mittelalters entstand auch die deutsche Bezeichnung Tausendgüldenkraut für die Pflanze.

Für den Gattungsnamen „Centaurium“ hatte man neben der mythischen Herleitung noch eine weitere Deutung. Da man die heilsamen Eigenschaften der Pflanze sehr schätzte und die lateinischen Wörter „centum“ und „aurum“ übersetzt „hundert“ und „Gold“ bedeuten, nannte man das Kraut zunächst Hundertgüldenkraut: Es sollte quasi hundert Gulden wert sein. Durch einen Transkriptionsfehler wurde aus der Zahl 100 dann die 1000 und so kam die Pflanze zum heutigen Namen Tausendgüldenkraut.

Anwendung des Tausendgüldenkrauts
Wie viele andere Heimpflanzen kann man auch das Tausendgüldenkraut innerlich wie äusserlich anwenden. Genutzt wird es etwa als eine mit Alkohol bereitete Tinktur sowie als Tee oder für feuchte Umschläge.

Die innerliche Verwendung als Heilpflanze

Mit Tausengüldenkraut erzielt man in der Regel gute Ergebnisse bei der Behandlung von Verdauungsproblemen wie Blähungen, Völlegefühl oder Sodbrennen. Appetitlosigkeit wird ebenfalls gerne mit der Bitterdroge therapiert. Zur innerlichen Verwendung eignet sich insbesondere die Darreichungsform als Teeaufguss. Für den Tee nutzt man ungefähr 30 Gramm des Krauts pro einem Liter Wasser. Den Tee lässt man ca. 20 Minuten ziehen oder bereitet einen Kaltauszug zu, der über mehrere Stunden ziehen sollte. 

Alternativ kann man eine mit Alkohol bereitete Tinktur zur Behandlung der Verdauungsbeschwerden einsetzen. Eine halbe Stunde vor dem Essen unterstützt eine Zubereitung aus Tausendgüldenkraut die Verdauung. Sie regt den Appetit an und beugt Sodbrennen vor. Darüber hinaus wird die Heilpflanze gelegentlich herangezogen, um das Immunsystem zu stärken und Erschöpfungszuständen vorzubeugen. Als Bachblüte wird das Tausendgüldenkraut unter dem Namen Centaury zur Stärkung des Selbstvertrauens und des Durchsetzungsvermögens ebenfalls verwendet.

Die äusserliche Anwendung des Heilkrauts
Das Tausendgüldenkraut sorgt bei einem äusserlichen Einsatz für eine beschleunigte Wundheilung. Zu diesem Zweck tränkt man eine Kompresse oder ein Tuch mit einem Sud aus der Heilpflanze und bereitet daraus einen Umschlag für die betroffenen Hautareale.

Ein Warnhinweis
Bei bestehenden Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwüren sollte man das Tausendgüldenkraut nicht anwenden. Auch bei einer entzündeten Magen- oder Darmschleimhaut verzichtet man besser auf die Einnahme der Pflanzenextrakte.

Die medizinische Therapie

In der medizinischen Praxis nennt man die Therapie mit Heilpflanzen auch Phytotherapie. In der Schweiz ist sie derzeit eine der komplementärmedizinischen Massnahmen, deren Kosten von der Grundversicherung übernommen werden, sofern bestimmte Voraussetzungen dafür vorhanden sind. Allerdings bezuschusst die Krankenkasse viele weitere alternativmedizinische Behandlungen nur dann, wenn der Versicherungsnehmer eine entsprechende Zusatzversicherung abgeschlossen hat. Setzt man häufiger auf Alternativmedizin, sollte man deshalb über den Abschluss einer passenden Zusatzversicherung nachdenken.