Homeoffice: Verbot durch den Vermieter?

Veröffentlicht am 08.10.2013.

Darf man eigentlich einfach so Zuhause im Homeoffice arbeiten oder muss man den Vermieter fragen, der einem das Home-Office auch verbieten kann? Und wie sieht es bei anderen Formen gewerblicher Arbeit aus: Darf man oder darf man nicht? Ein Knackpunkt bei der Sache ist beispielsweise die Intensität eines möglicherweise anfallenden Kundenverkehrs. Die Lage ist hier relativ unklar. Gerichtsurteile zur Bedeutung des Kundenverkehrs für die Entscheidung, ob ein Vermieter gewerbliche Tätigkeiten seines Mieters dulden muss oder nicht, fehlen in der Schweiz, schreibt der Mieterinnen- und Mieterverband Deutschschweiz in der Ausgabe 7/13 seiner Zeitschrift „Mieten & Wohnen“. Deshalb sei es offen, „wo die Grenze des Zulässigen liegt“, berichtet der Verband weiter. Kommt es wegen Arbeit im Homeoffice oder verwandter Tätigkeiten zum Rechtsstreit, kann ein passender Rechtsschutz im Fall der Fälle ganz nützlich sein.
Homeoffice – viele Vorteile, keine grossen Probleme
Der Platzbedarf für einen Mitarbeiter reduziert sich – im Vergleich zur 100-prozentigen Anwesenheit im Büro des Unternehmens während der gesamten Arbeitszeit – bei jedem Tag, den der Mitarbeiter von Zuhause aus arbeitet, um 20%, heisst es in der Broschüre „Zwischen Produktivität und Lebensqualität: Herausforderungen und Chancen von flexiblen Arbeitsplatzmodellen“. Herausgegeben wurde die Broschüre von der Stiftung Produktive Schweiz. Und laut einer Studie der Universität St. Gallen aus 2012 könnten 450.000 Schweizer (11% der arbeitenden Bevölkerung) einen Tag pro Woche Zuhause arbeiten, was unter anderem pro Jahr 67.000 Tonnen Kohlendioxid einsparen würde: durch weniger Pendelverkehr und weniger beheizte Büroräume. Die Zahl tatsächlicher Homeoffice-Arbeiter in der Schweiz wird in der Studie mit knapp 30.000 angegeben und ist deutlich niedriger.
Es gibt durchaus auch Kritiker des Homeoffice-Prinzips. So zitierte etwa der Tagesanzeiger in einem „Die Homeoffice-Verweigerer“ titulierten Artikel (13.06.2013) die Aussage von Benjamin Geiger, den Chefredaktor der „Zürichsee-Zeitung“, im Branchenportal HR Today: Er spricht sich dort für Teamleistung aus, „welche sich nur durch den persönlichen Austausch optimieren lasse“.  Die Homeoffice-Idee ist für ihn dagegen Ausdruck einer überholten Vorstellung, „die ein Unternehmen als Konglomerat von Einzelkämpfern definiert“. Allerdings muss Homeoffice natürlich nicht bedeuten, dass die jeweiligen Mitarbeiter komplett von Zuhause aus arbeiten. Mischformen wie z.B. ein Tag Homeoffice und vier Tage im Unternehmensbüro könnten die Vorteile beider Arbeitsmodelle kombinieren.
Manchmal wird es komplizierter
Vermieter können Homeoffice-Arbeiten nicht verbieten, sofern es nur um Tätigkeiten wie Telefonieren und Bürotätigkeiten geht, die man alleine ausführt, schreibt Autor Ruedi Spöndlin in der Zeitschrift „Mieten & Wohnen" des Mieterverbandes. Komplizierter werden die Dinge, wenn man im Homeoffice Kunden empfängt oder wenn man andere Gewerbe Zuhause betreibt: Spöndlin nennt als Beispiel etwa Nachhilfeunterricht, den man Zuhause gibt. Grundsätzlich gilt: Bekommen Nachbarn von der oben beschriebenen Tätigkeit im Homeoffice ohne Publikumsverkehr so gut wie nichts mit, kann das beim Homeoffice mit Kundenbesuch schon ganz anders aussehen. Ähnliches gilt beim Nachhilfeunterricht, wenn es etwa mehrfach täglich schellt und vielleicht mehrfach im Treppenhaus Gespräche geführt werden.
Das bisher Beschriebene mag vielleicht häufig nicht wirklich schlimm und bei guter Nachbarschaft kein wirklich grosser Grund für Streit sein. Bei einer weniger guten Nachbarschaft oder bei häufigeren Kundenbesuchen pro Tag ist das Limit des Zumutbaren für manch einen aber dann doch schnell überschritten. Hier kann es zum Streit kommen, entweder mit dem Vermieter direkt, der die gewerbliche Tätigkeit in seinem Haus nicht dulden möchte, oder indirekt, weil er Partei für einen Nachbarn ergreift, der sich durch das Gewerbe gestört fühlt.
Passender Rechtsschutz hilft im Konflikt
Kommt es zum Konflikt, gilt erst einmal, ihn auf möglichst geringer Ebene zu lösen. Sind alle Parteien offen für eine friedliche Lösung, kann man gemeinsam den Kompromiss suchen. Ruedi Spöndlin schlägt für das Beispiel „Nachhilfe Zuhause“ etwa eine klare Absprache vor, wie viele SchülerInnen pro Tag der Gewerbetreibende maximal betreuen darf. Ähnliches ist auch bei jemandem im Homeoffice möglich, der bisweilen Kunden empfängt. Kommt es zwischen den Parteien NICHT zu einem Kompromiss, helfen möglicherweise Schlichtungsstellen, eine Einigung zu erzielen. Scheitert jedoch auch das, bleibt möglicherweise nur noch der Weg vor Gericht. Hier ist es dann günstig, eine passende Rechtsschutz-versicherung abgeschlossen zu haben, die zum Beispiel eine Rechtsberatung übernimmt, durch die man den jeweiligen Fall mit Juristen besprechen kann, die aber auch den Rechtsbeistand vor Gericht bezahlt.
Link zum Text: homeofficeday.ch (Studie der HSG)