Kind verursacht Schaden: Wer haftet?

Veröffentlicht am 10.11.2014.

Wenn Kinder spielen können schnell einmal kleinere oder auch grössere Schäden entstehen. Dabei besteht jedoch kein Grund zur Sorge – vorausgesetzt die ganze Familie ist in der Versicherungsdeckung miteingeschlossen. Dies ist in der Regel der Fall. Wer haftet jedoch, wenn Kinder Schäden verursachen, während sie von jemand anderem betreut werden? Auch in diesem Fall kommt die Versicherung für Schäden auf, auch wenn niemand dafür haftbar gemacht werden kann.
Eigene Kinder verursachen Schaden: Wer zahlt?
Bald fällt wieder Schnee, zur Freude vieler Kinder. Es werden Schneemänner gebaut und Schneeballschlachten veranstaltet. Nicht selten passiert es, dass ein Schneeball das Ziel verfehlt und eine Fensterscheibe zu Bruch geht. In solchen Fällen greift normalerweise die Privathaftpflichtversicherung der Eltern. „Diese schützt nebst der versicherten Person auch deren Familie und alle weitern Personen, die im Haushalt leben. Übernommen werden Schadensersatzforderungen von Drittpersonen, wenn fremdes Eigentum beschädigt oder Personen verletzt werden“ heisst es im aktuellen Kundenmagazin der CSS. Im Allgemeinen sind alle urteilsunfähigen Personen, die im gleichen Haushalt leben, durch die Privathaftpflichtversicherung geschützt. Werden die Kinder jedoch als urteilsfähig betrachtet, sieht die Sachlage etwas anders aus. „Urteilsfähig heisst, dass es die Folgen seines Handelns erkennen und sich entsprechend verhalten kann. Die Gerichte gehen oft davon aus, dass ein Kind für einfachere Entscheidungen zirka ab dem neunten ­Altersjahr urteils- und damit zivilrechtlich deliktsfähig ist“ schreibt beobachter.ch. Ältere Kinder könnten also theoretisch für den angerichteten Schaden haftbar gemacht werden. In der Praxis kommen die Versicherungen jedoch meistens auch für Schäden auf, die von urteilsfähigen Kindern verursacht wurden. Gemäss dem Schweizerischen Versicherungsverband (SVV) bieten viele Schweizer Privatversicherer Hand für eine Lösung zugunsten des Geschädigten, obschon der Gesetzgeber eine deutlich strengere Auslegung zulassen würde.
Betreuung von fremden Kindern: Wer haftet im Schadensfall?
Richten Kinder einen Schaden an, während sie von einer Drittperson betreut werden, kann je nachdem diese haftbar gemacht werden. Gemäss SVV entfällt die Haftpflicht, wenn das übliche und durch die Umstände gebotene Mass an Sorgfalt bei der Beaufsichtigung der Kinder beachtet wurde. Dies bedeutet aber nicht, dass die Kinder dauernd überwacht werden müssen, solange keine besonderen Gefahren vorhanden sind. Auch wenn niemand für einen Schaden haftbar gemacht werden kann, kommen die Versicherungen in solchen Fällen meistens für die Kosten des Schadens, der durch die betreuten Kinder entstanden ist, bis zu einer gewissen Höhe auf, wie der SVV auf seiner Homepage schreibt. Je nachdem, welche Art von Schaden entstanden ist, kann auch in den Allgemeinen Versicherungsbedingungen (AVB) der Police nachgelesen werden, ob eine Versicherungsdeckung dafür vorhanden ist.