Lebensversicherungen: höhere Prämien wegen neuen Kapitalregeln

Veröffentlicht am 04.08.2011.

Wegen strengeren Kapitalregeln müssen Krankenversicherten werden zur Kasse geben.
Wer ist schuld an den Prämienerhöhungen? Das Regelwerk Swiss Solvenc Test (SST). Dies wurde anfangs Jahr von der Eidgenössischen Finanzaufsicht (Finma) ins Leben gerufen und fordert von den Versicherern dickere Eigenmittelpolster. Doch damit sich die Produkte für die Versicherungen weiterhin lohnen, benötigen diese zusätzliche Margen.
Und dies geht natürlich am einfachsten, indem man die Prämien erhöht. Davon betroffen sind vor allem Lebensversicherungen und private Krankenversicherer.
Weitere MöglichkeitenNeben höheren Prämien haben die Versicherer noch andere Möglichkeiten, ihre zusätzlichen Kosten zu decken. Auf der einen Seite könnte man die Anlagerisiken stärker auf den Kunden abwälzen. Auf der anderen Seite könnten Versicherung ihren Versicherer einen privaten Rentenplan nur noch bis zu einem bestimmte auszahlen.
Aber nicht nur die SST-Vorschriten, die seit dem 1. Januar 2011 für 140 in der Schweiz tätigen Lebens-, Sach-, Kranken- und Rückversicherer gelten, macht der Branche zu schaffen. Auch die tiefen Zinsen seit der Finanzkrise machen es sehr schwierig, Garantieversprechende Erträge an dem Finanzmarkt hereinzuholen.
Verschwinden gewisse Produkte ganz vom Markt?Unter Umständen verschwinden gewisse Versicherungsprodukte ganz vom Markt: „Wenn es sich nicht rechnet, dann ergibt es keinen Sinn mehr, bestimmte Produkte anzubieten“, sagte Thomas Brotzer, Branchenexperte bei Ernst&Young. Doch dies könnte dann Auswirkungen auf die Vollversicherung der beruflichen Vorsorge treffen, was Auswirkungen auf die ganze Volkswirtschaft hätte.
Versicherer kritisieren FinmaDie Umfrage von Ernst&Young zeigt, dass die Versicherungsgesellschaften vom Prinzip her den SSt begrüssen. Die Einführung dieses Regelwerks begann bereits im Jahr 2006 und in der Finanzkrise 2008/09, konnten die Versicherer denn SST als valablen Realitätstest verwenden.
Unsicherheiten bestünden hingegen nach wie vor mit Blick auf Solvency-II, dem Kapitalregime der EU. Dieses ist nach ähnlichen Prinzipien aufgebaut wie der SST, könnte aber insgesamt weicher ausfallen. Die Schweizer Versicherer fordern daher möglichst viele Übereinstimmungen zwischen SST und dem EU-Regelwerk.
Beunruhigend ist allerdings, dass die Hälfte der 50 befragten Versicherer, dank der neuen Regelung eine Kapitalerhöhung in Betracht ziehen. Kritik sehen die Versicherer allerdings die Rolle der Finma, da ihre Noten für die Rolle der Regulatoren seit der Finanzkrise schlechter geworden sind.
Quelle: 20min.ch