Mietmängel? Mietzinsreduktion!

Veröffentlicht am 15.07.2013.

Feuchtigkeit und/oder Schimmel in der Wohnung – und was nun? Kann man den Mietzins gefahrlos kürzen? Eigenmächtige Mietzins-Kürzungen erweisen sich oftmals nicht als der geeignete Weg. Sie sind rechtlich in der Regel nicht abgesichert, weshalb im für den Mieter ungünstigsten Fall eine Kündigung des Mietverhältnisses droht. Statt solch einer eigenmächtigen Kürzung sollte man zunächst mit dem Vermieter eine einvernehmliche Lösung suchen und sich dann – falls das scheitert – „mit dem Gesuch um Mietzinsreduktion an die jeweilig zuständige Schlichtungsstelle“ wenden, rät der Rechtsschutzversicherer Orion. Um wie viel Prozent sich die Miete bei Feuchtigkeit eventuell (!) reduzieren lässt, zeigt ein Merkblatt des Mieterinnen- und Mieterverbands.
Schimmel und Lüften
Schimmelpilzbefall und Feuchtigkeit in der Wohnung gehören zu den häufigeren Streitfällen von Mietern und Vermietern in der Schweiz. Meldet der Mieter seinem Vermieter Schimmelpilzbefall und/oder Feuchtigkeit in der Wohnung, kontert der nicht selten mit dem Hinweis, dass der Mieter nicht ausreichend gelüftet habe. Tatsächlich ist man als Mieter verpflichtet, für eine ausreichende Lüftung der Wohnung zu sorgen, schreibt der Versicherer Orion auf seiner Ratgeberseite zum Thema Schimmel und rät dazu,  jeweils morgens und abends und am besten mit Durchzug 5-10 Minuten.lang zu lüften, falls man tagsüber NICHT Zuhause ist. Ist den ganzen Tag lang jemand im Haus, empfiehlt der Versicherer, zusätzlich mittags zu lüften. Darüber hinaus ist im Badezimmer ein Lüften nach dem Baden oder Duschen ratsam, heisst es weiter.
Orion verweist allerdings auch darauf, dass Wohnungen einen Mangel aufweisen, wenn man sie mehrmals pro Tag lüften MUss, um Schimmelpilze zu vermeiden. Damit liegt die Verantwortung dann eher wieder beim Vermieter, der auch nachweispflichtig ist. Das bedeutet: Wenn er die Schuld für Schimmelpilze und Feuchtigkeit in der Wohnung beim Mieter sieht, muss er seinem Mieter das Verschulden nachweisen. Das bedeutet jedoch nicht, dass Mieter keinerlei Pflichten rund um einen möglichen Schimmelpilzbefall haben.
Schimmelpilzbefall gefährdet die Gesundheit
Mieter sind beispielsweise dazu verpflichtet, dem Vermieter schnellstmöglich Bescheid zu geben, wenn sie Schimmelpilze in der Wohnung entdecken. Der Vermieter hat nur dann die Möglichkeit, adäquat zu reagieren, was wiederum auch dem Mieter dient. Schimmelpilzbefall in der Wohnung sollte man unter anderem deshalb nicht ignorieren, weil er Auswirkungen auf die Gesundheit haben kann. Es sei damit zu rechnen, dass die meisten Schimmelpilze Allergien auslösen, schreibt etwa das Bundesamt für Gesundheit (BAG) in seiner kostenlosen Online-Broschüre „Vorsicht Schimmel“. Die korrekte Diagnose bei solchen Allergien zu stellen, sei allerdings nicht einfach, heisst es weiter. Mögliche Folgen von Schimmelpilzbefall sind auch Reizungen von Haut, Augen und Atemwegen und – in eher seltenen Fällen bei Vorerkrankungen – spezielle Pilzerkrankungen.
Mietzinsminderung ist möglich
Lösungen bei Fällen von Schimmelpilz in der Wohnung sollten immer möglichst im Einvernehmen von Mieter und Vermieter entstehen. Gibt es Schwierigkeiten, sich zu einigen, kann die Arbeit von Mediatoren sinnvoll sein. Sollte es auch nach mehreren Gesprächen nicht zu einer Einigung kommen, ist der Weg zu einer Schlichtungsstelle mit einem „Gesuch um Mietzinsreduktion der richtige Weg, schreibt der Versicherer Orion. Einige Anhaltspunkte, wie hoch eine Mietzinsreduktion ausfallen könnte, gibt ein Merkblatt des Mieterinnen- und Mieterverbands.
Das Merkblatt listet diverse von Gerichten festgelegte Mietzinsreduktionen für verschiedene Fälle auf. So gab es etwa den Fall, bei dem für „Fleckige Zimmerdecken und abgelöste Tapeten infolge Wassereintritts“ 10% Mietzinsminderung festgesetzt wurden. In einem Fall übermässiger Feuchtigkeit, bei dem Wassertropfen von der Decke fielen und Teppiche sowie Matratzen teilweise verrotteten, gab es 25%. Rechtsschutzversicherte sollten ihre Vorgehensweise in jedem Fall telefonisch oder persönlich mit einem Anwalt absprechen. Im Extremfall landet ihr Streit rund um Schimmelpilz und Feuchtigkeit ebenfalls vor Gericht. Auch dann kann eine Rechtsschutzversicherung  ein grosser Vorteil sein.
 
Links zum Thema
http://www.bag.admin.ch/themen/chemikalien/00238/01355/01358/10343/
http://www.beobachter.ch/wohnen/miete/artikel/lueften_mit-dem-schimmel-kommt-der-zoff/