Unfall bei Risikosportarten - Wer zahlt?

Veröffentlicht am 04.10.2013.

Immer mehr Menschen zählen Sport zu ihren Hobbys. Gemäss der aktuellsten Studie des Bundesamtes für Sport (Baspo), ist derzeit ein Viertel der gesamten Schweizer Bevölkerung in einem Sportverein aktiv. Viele Personen im Alter von 10 bis 75 Jahren üben sportliche Betätigungen aber nicht nur im Rahmen einer Vereinssportart aus. Viele Menschen suchen den ultimativen Kick bei Extremsportarten wie Base-Jumping, Free-Climbing oder Surfen. Diese sind mit einem erhöhten Unfallrisiko verbunden. Dabei können auch normale sportliche Betätigungen schnell zum Extremsport werden, wenn diese mit einem erhöhten Risiko verbunden sind und exzessiv betrieben werden. Die Grenzen bei Mountainbiken, Skilaufen oder verschiedenen Kampfsportarten sind dabei fliessend.
Ausreichender Versicherungsschutz?
Viele Freizeit- oder Extremsportler wiegen sich durch die obligatorische Unfallversicherung, welche die Abdeckung von Nichtberufsunfällen einschliesst, in Sicherheit. Bei Erwerbstätigen wird diese vom Arbeitgeber abgeschlossen. Jedoch können die Grenzen des Versicherungsschutzes schnell erreicht sein und Kürzungen beispielsweise der Rente oder des Taggeldes nach sich ziehen, wenn der Versicherte eine Mitschuld am Unfall trägt, wie die NZZ schreibt. „Zudem können in der obligatorischen Unfallversicherung die Geldleistungen um die Hälfte gekürzt und sogar verweigert werden, wenn eine Teilnahme als Wagnis angesehen werden muss“ (Art. 39 UVG/50 UVV) zu entnehmen ist.
Davon sind auch Sportarten nicht ausgenommen, welche im Rahmen eines Veranstalters durchgeführt werden. Nimmt man beispielsweise an einer geführten Kletter-Tour teil, sollte man sich bewusst sein, dass der Veranstalter meistens keine Haftung für Unfälle übernimmt.
Ungenügender Versicherungsschutz besteht zudem im Allgemeinen bei Schülern oder Studenten, welche nicht durch einen Arbeitgeber im Falle eines Unfalles abgesichert sind.
Die richtige Versicherung für Extrem- und Risikosportarten
Eine allgemeine Definition für Extrem- und Risikosportarten gibt es nicht. Dieser Bereich wird von Versicherungen sehr individuell gehandhabt. Um 50% gekürzt werden die Leistungen gemäss Art. 50 UVV beispielsweise bei Motocross-Rennen, Full-Contact Wettkämpfen oder Mountain-Bike Abfahrten. Vor der Ausübung einer Extrem- oder Risikosportart sollte deshalb abgeklärt werden, ob die jeweilige Sportart als Wagnis eingestuft wird und bei bedarf der Versicherungsschutz angepasst werden. Je nach Sportart ist sogar der Abschluss einer privaten Unfallversicherung anzuraten. Der Versicherer wird dann meistens nach der sportlichen Betätigung gefragt, was wahrheitsgemäss beantwortet werden sollte, um eine ungenügende Abdeckung bei einem Unfall zu vermeiden.
Des Weiteren muss bedacht werden, dass man bei Risikosportarten nicht nur selbst verunfallen, sondern auch anderen Schaden zufügen kann. Hier greift die Haftpflichtversicherung. Je nachdem bietet sich zusätzlich der Abschluss einer Rechtsschutzversicherung an. Sind mehrere Personen in einen Unfall verwickelt, kann die Haftung manchmal nicht ohne Weiteres geklärt werden.
Wird die eigene Versicherung im Voraus angepasst, steht dem ultimativen Kick nichts mehr im Weg. Viele Risiken bleiben zwar bestehen, dasjenige einer verweigerten oder ungenügenden Kostendeckung im Falle eines Unfalls kann jedoch ausgeschlossen werden.
Link zum Text: svv.ch