Werbefahrten: Warnung vor angeblichen Wunderprodukten

Veröffentlicht am 06.11.2013.

Verbraucherschützer warnen aktuell vor Nahrungsergänzungsmitteln, die laut Saldo.ch auf Werbefahrten als Wunderprodukte gegen Alzheimer überteuert verkauft werden. Saldo.ch rät Lesern daher, an keiner Kaffeefahrt teilzunehmen und dort definitiv keine Produkte zu kaufen. Dass Produkte auf Werbefahrten oftmals überteuert verkauft werden und dass man auf Käufe oft besser verzichten sollte, raten auch andere, etwa das Schweizer Radio und Fernsehen (SRF). Hat man es doch getan und Produkte gekauft, deren Kauf man im Nachhinein bereut, weil sie sich als überteuert erweisen, kann es vorteilhaft sein, eine Rechtsschutzversicherung zu besitzen, sich rechtlichen Rat einzuholen und sich gegebenenfalls rechtlich vertreten zu lassen. Nicht immer ist so etwas aussichtsreich. Manchmal aber schon.
Wundermittel ohne Wunder?!
„Vitamine Gelée Royale und Coenzym Q10“ sind die Substanzen, die auf Werbefahrten als Wunderprodukt gegen Alzheimer verkauft werden, aber nur Nahrungsergänzungsmittel sind, berichtet Saldo.ch. Dieses Wundermittel sei zu einem „Vorzugspreis von 1848 Franken“, angeboten worden, weil es angeblich bald in Schweizer Apotheken auf den Markt kommt und dann 3540 Franken kostet, weshalb 1848 Franken ein echtes Schnäppchen sind. Das stimmt aber wohl nicht. Es gibt Nahrungsergänzungsmittel, die dieselben Stoffe, wie das auf Werbefahrten angebotene „Wundermittel“ enthalten und darüber noch weitere. Zugleich kostet diese Nahrungsergänzung 15-mal weniger als das „Wundermittel“, heisst es bei Saldo.ch. Das Problem für Käufer, die ihren Kauf im Nachhinein bereuen, könnte jedoch sein, dass mit dem Verkauf des Wundermittels möglicherweise nicht gegen geltendes Recht verstossen wurde. Das hiesse: Der Kauf wäre nicht gut, aber letztlich nicht anfechtbar. Kaffeefahrten und die damit verbundenen Verkaufsveranstaltungen befinden sich oft in einer rechtlichen Grauzone und es ist kaum möglich, pauschal zu beurteilen, ob rechtens ist, was geschieht, oder nicht.
Das Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) berichtete am 18 März 2013, dass der Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) Klage gegen ein Unternehmen eingereicht habe, das zu Kaffeefahrten eingeladen und dabei falsche Gewinnversprechen gemacht habe. Das sei geschehen, nachdem das Unternehmen auf Abmahnungen nicht reagiert hatte. „Das Seco und Konsumentenorganisationen wie die Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) haben das Recht, bei Verstössen gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb Strafklagen einzureichen“, schreibt das SRF in seinem Beitrag und bat zugleich Menschen, die zu den thematisierten Kaffeefahrten eingeladen wurden, um die Original-Einladung mit dem falschen Gewinnversprechen, damit die Erfolgschancen vor Gericht steigen.
Kaffeefahrten - Nicht mitfahren ist oft beste Wahl
Das sehen zumindest Verbraucherschützer wie auf Saldo.ch so. In jedem Fall gilt: Eine gesunde Portion Skepsis ist oftmals angebracht. Fehler lassen sich nicht immer korrigieren: Wer überteuerte Produkte gekauft hat, hat möglicherweise nicht oder nicht mehr die Chance, den Kauf rückgängig zu machen. Gibt es Indizien für unlautere Geschäftspraktiken, hat das Staatssekretariat für Wirtschaft SECO jedoch ein Klagerecht, etwa wenn „die Interessen mehrerer Personen oder einer Gruppe von Angehörigen einer Branche oder andere Kollektivinteressen bedroht oder verletzt sind“. Das Staatssekretariat weist allerdings auch darauf hin, dass er keine Kompetenzen hat, „Schadenersatz- oder Wiedergutmachungsansprüche geltend zu machen“. Das bedeutet: Hat man Geld bei Werbefahrten aufgrund unlauterer Praktiken verloren, muss man selbst versuchen, es zurück zu bekommen. Hier können Rechtsschutzversicherungen wertvolle Dienste leisten. Sie zahlen gegebenenfalls den Anwalt, der Kunden vor Gericht vertritt. Bisweilen sagen Ihnen juristische Fachkräfte vorab im Rahmen einer Beratung aber auch ehrlich, wenn es praktisch keine Chance gibt, gegen das Werbefahrten organisierende Unternehmen vorzugehen. Das spart Kraft, Zeit und Nerven und ist im Vergleich zu einem aussichtslosen Rechtsstreit immer noch die bessere Alternative.