''White Risk'': Lawinengefahren richtig einschätzen

Veröffentlicht am 24.02.2014.

Auch diesen Winter berichten die Medien immer wieder von Lawinenunfällen mit tödlichem Ausgang. Alleine in der Schweiz sterben pro Jahr durchschnittlich 25 Personen bei Lawinenunfällen, wie die SUVA in einer Pressemitteilung schreibt. Viele Unfälle passieren abseits der Pisten im Tiefschnee. Für viele Wintersportler stellt das Fahren im Neuschnee ein besonderes Erlebnis dar. Jedoch sollten die Gefahren nicht unterschätzt werden. Die Suva und das WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF wollen den Variantenfahrer beibringen, solche Risiken richtig einzuschätzen. Dazu wurde die Lawinen-Präventionswebsite ''White Risk'' aufgeschaltet. Zudem werden vier gleichnamige Camps durchgeführt.
Freerider: Erhöhtes Risiko durch mangelndes Wissen
Mittlerweile sind in der Schweiz 150 000 Personen mehr oder weniger regelmässig abseits von gesicherten Pisten auf Tour oder beim Freeriden unterwegs, wie einer Studie des Bundesamtes für Sport (Baspo) zu entnehmen ist. „Neue Skis und Snowboards locken mehr Leute neben die Piste“, erklärt Samuli Aegerter, Kampagnenleiter Schneesport bei der Suva. So sind bei den neuen Schneesportgeräten sowohl die Spitzen wie auch die Enden stärker nach oben gebogen. «Das erleichtert das Fahren im Tiefschnee», sagt Aegerter. Das Unfallrisiko wird dadurch erhöht, dass vor dem Verlassen der Piste die Bedingungen nicht ausreichend analysiert werden. „Bei Pulverschnee und sonnigem Wetter stürzen sich viele Freerider vom Sessellift gleich in den Tiefschnee'', weiss Stephan Harvey, Experte des WSL-Instituts für Schnee- und Lawinenforschung SLF.
In den letzten zehn Jahren wurden etwa 2'000 Leute von Lawinen erfasst, in der Regel Schneesportler, die abseits gesicherter Pisten unterwegs waren. In 90% der Fälle wurden die Lawinen von den Schneesportlern selbst ausgelöst.
Was viele nicht wissen: Schon kleine Schneebretter stellen eine erhebliche Gefahr dar. „Es braucht keine Riesenlawine für ein Unglück, schon ein kleines Schneebrett von 50 Metern Breite, und 50 m Länge und 50 cm Anrissmächtigkeit hat ein Schneevolumen, das rund 10 Eisenbahn-Güterwagen füllt und ein Gewicht von rund 200 Tonnen auf die Waage bringt“, erklärt Harvey. Solch grundlegendes Wissen wird den Teilnehmern in den Camps und auf der Website whiterisk.ch vermittelt. Dabei geht es der SUVA nicht darum zu verhindern, dass die Leute neben der Piste ihren Spass haben. „Wir fordern aber, dass die Schneesportler das Risiko abseits der Skipiste auf ein akzeptables Risiko minimeren», meint Aegerter.
Umfassende Informationen: whiterisk.ch
Das Risiko kann beispielsweise dadurch minimiert werden, dass vor Freeride-Abfahrten die Route geplant und Gefahrenstellen ausfindig gemacht werden. Die Website whiterisk.ch stellt dafür einen Tourenplaner zur Verfügung. Die Homepage unterstützt aber nicht nur die Tourenplanung, sondern bietet in der kostenlosen Basisversion ein grafisch animiertes Nachschlagwerk zum richtigen Verhalten am Berg und zu Faktoren, welche die Lawinengefahr beeinflussen, wie Wind, Neuschneemenge, Temperatur, Hangneigung und Geländeform. Es gibt zudem detaillierte Informationen zu Gefahrenstufen, Lawinenbildenden Faktoren, zu Entscheidungsprozessen in der Gruppe und zur Vorbereitung einer Skitour. Grundsätzlich ist ''White Risk'' ist eine Website für alle, die sich im winterlichen Gebirge abseits gesicherter Pisten aufhalten. „Die Plattform ersetzt jedoch nicht den gesunden Menschenverstand“, betont Samuli Aegerter von der Suva. Letztlich müsse jeder Mensch die Eigenverantwortung wahrnehmen und sich genau überlegen, was er sich zutraut und welche Tour oder Abfahrt den aktuellen Verhältnissen angemessen ist, meint Aegerter weiter in der Pressemitteilung der Versicherung.
Unfälle abseits der Piste: Finanzielle Folgen
Neben der Verletzungsgefahr bei Touren abseits der Piste, sollte zudem auch das finanzielle Risiko bedacht werden. Bei Unfällen ist man normalerweise durch die obligatorische Unfallversicherung (UVG) gedeckt. Da das Fahren ausserhalb der markierten Piste ein Wagnis darstellt, kann dies eine Kürzung oder Verweigerung der Versicherungsleistungen nach sich ziehen. Als Wagnis werden gemäss des Bulletins der Genossenschaft "Branchen Versicherung Schweiz" Handlungen bezeichnet, „bei denen man sich einer besonders grossen Gefahr aussetzt, ohne jene Vorkehrungen zu treffen oder treffen zu können, die das Risiko auf ein vernünftiges Mass beschränken“. Versicherte, welche ausserhalb der Piste verunfallen, müssen also mit Leistungskürzungen oder -verweigerungen rechnen.