Hypotheken: Strengere Regeln seit 1. September 2014

Veröffentlicht am 30.10.2014.

Die Zinsen für Hypotheken sind seit längerer Zeit auf einem Tiefstand. Um einer Überhitzung des Immobilienmarktes entgegen zu wirken, hat der Verwaltungsrat der Schweizerischen Bankiervereinigung (SBVg) Mitte dieses Jahres eine Verschärfung der Hypothekenvergabe beschlossen. Diese ist am 1. September 2014 in Kraft getreten. Für manche Kunden können die Folgen daraus problematisch werden.
Verschärfte Amortisationspflicht
Die neue Regelung beinhaltet vorwiegend drei Änderungen. Erstens wurde die Amortisationspflicht verschärft. Dies bedeutet, dass künftige Immobilienbesitzer ihre Zweithypothek neu innert 15 anstatt 20 Jahren abzahlen müssen. Damit sei sichergestellt, dass eine Liegenschaft 15 Jahre nach dem Kauf nur noch zu zwei Drittel ihres Wertes belehnt ist, wie auf bernerzeitung.ch zu lesen ist. Zudem muss die Amortisation neu linear erfolgen: Die Abzahlung muss also bereits ab Tag eins beginnen und in regelmässigen Tranchen bezahlt werden. Ausgenommen davon sind bestehende Hypotheken und Verlängerungen.
Zweiteinkommen: Solidarschuldnerschaft zwingend
Die zweite Änderung betrifft das Zweiteinkommen. Dieses darf bei der Berechnung der Tragbarkeit einer Immobilie nicht mehr gezählt werden dürfen, wenn keine so genannte Solidarschuldnerschaft besteht. Das heisst, dass Doppelverdiener können künftig für die Hypothek keine Gütertrennung mehr vereinbaren können, wie es in der Ausgabe 183 des „Schweizer Immobilienbrief“ heisst.
Niederstwertprinzip
Drittens gilt nun bei Immobliienkäufen und Handänderungen neu das Niederstwertprinzip. Als Belehnungswert gilt demnach der tiefere Wert von Marktwert und Kaufpreis. «Konkret erhält man nur auf dem tieferen Preis eine Hypothek», erklärte SBVg-Sprecherin Flückiger gegenüber der NZZ.
Gerade die Tatsache, dass die Banken beim Wert einer Liegenschaft von der tiefsten Zahl ausgehen müssen, hat Konsequenzen für die Kunden. Diese müssen künftig einen grösseren Anteil an Eigenkapital tragen. Der Grund dafür liegt darin, dass die Schätzwerte je nach Methode, je nach Bank oder Expertenmeinung abweichen konnten. So bot sich den Eigenheimkäufern die Möglichkeit, bei einer zweiten Bank einen Kredit zu bekommen, wenn die erste die Finanzierung verweigert hatte. Grundsätzlich finanzierten die Banken in der Schweiz bisher eine Hypothek in der Höhe von maximal 80 Prozent des Kaufpreises. Die Folgerung liegt auf der Hand: Fällt der Kredit tiefer aus, muss der Kunde selbst einen höheren finanziellen Anteil tragen.
Um keine bösen Überraschungen erleben zu müssen, ist es wichtig, sich vor dem Kauf einer Liegenschaft sowohl über die Kosten, die auf einen zukommen, als auch über das benötigte Eigenkapital zu informieren. Dafür können einfache Hilfsmittel wie Tragbarkeitsrechner verwendet werden.