Lärm als häufige Ursache für Streit unter Nachbarn

Veröffentlicht am 25.11.2013.

Eine mögliche Lärmbelästigung, die ein Hausbesitzer oder Mieter aufgrund des Verhalten eines anderen Hausbesitzers oder Mieters erdulden muss, ist einer der häufigeren Gründe für Streitigkeiten zwischen Nachbarn. Das Bundesamt für Umwelt zitiert eine Studie aus dem Jahr 2007, laut der sich zur damaligen Zeit 18,6% der Befragten „durch Lärm in der Nachbarschaft ihrer Wohnung belästigt fühlten“. Die 18,6% entsprachen - umgerechnet auf die Schweizer Gesamtbevölkerung - etwa 1,4 Millionen Betroffenen. Um Streit zwischen Nachbarn zu vermeiden, ist es wichtig, dass alle einige Regeln sowie die vorgegebenen Ruhe- und Nachtzeiten beachten. Tipps dafür bieten beispielsweise das Verbrauchermagazin Beobachter.ch sowie der Mieterinnen und Mieterverband Deutschschweiz.
Ab wann wird es zu laut?
Die Regeln in Bezug auf eventuell übermässige Geräuschbelästigung im nachbarschaftlichen Verhältnis sind eher vage. Beobachter.ch zitiert hier den Artikel 257f (Absatz 2) des Obligationenrechts. In ihm heisst es: „Der Mieter einer unbeweglichen Sache muss auf Hausbewohner und Nachbarn Rücksicht nehmen.“ Das klingt einerseits vernünftig. Andererseits hilft es nicht wirklich weiter. Konkreter wird die Sache, wenn die Hausordnung in einem Mietshaus Regeln zu erlaubtem und unerlaubtem Lärm definiert. Allerdings müssen sich Mieter und Vermieter explizit auf die Lärmregeln in der Hausordnung einigen, was bedeutet, dass ein Verweis auf die Hausordnung in den Mietvertrag gehört. Gibt es keine Hausordnung, die einem Mieter engere Regeln vorgibt, definiert zumindest die Polizeiverordnung der verschiedenen Schweizer Städte detailliertere Regeln, die zu beachten sind.
Ein Beispiel ist die Polizeiverordnung der Stadt Winterthur. Sie definiert eine von 22 bis 6 Uhr dauernde Nachtruhe an normalen Tagen, während die Nachtruhe freitags und samstags sowie vor öffentlichen Ruhetagen von 23 bis 6 Uhr morgens dauert. „Während dieser Zeiten ist jeglicher die Ruhe oder den Schlaf störender Lärm verboten“, steht in der Verordnung. „An den öffentlichen Ruhetagen sowie werktags von 12 Uhr bis 13 Uhr und von 20 Uhr bis zu Beginn der Nachtruhe ist dem erhöhten Ruhebedürfnis der Bevölkerung Rechnung zu tragen“, heisst es weiter. Hier stösst man also zumindest auf konkrete Zeiten, während ein Ausdruck wie „jeglicher die Ruhe oder den Schlaf störender Lärm“ weiterhin viel Interpretations-Spielraum lässt.
Ein paar Regeln für gute Nachbarschaft
Das Verbrauchermagazin Beobachter.ch hat einige Tipps veröffentlicht, wie sich von anderen Menschen möglicherweise als übermässig empfundene Geräusche vermeiden lassen. So sollten Mieter, die Musik hören möchten, die Lautsprecher auf eine Unterlage stellen oder – wenn sie wirklich laut Musik hören möchten – Kopfhörer nutzen. Tisch- und Stuhlfüsse kann man mit Kleb- oder Nagel-Filzstücken versehen, bei Haushaltsgeräten wie Geschirrspülern und Waschmaschinen können dämpfende Elemente zwischen Maschine, Boden und Wand helfen, rät der Beobachter.ch.
Letztlich geht es bei alledem wohl einmal mehr um gegenseitige Rücksichtnahme. Das bedeutet: Diejenigen, die Lärm verursachen, sollten zusehen, dass es nicht zu laut wird. Andererseits sollten diejenigen, die mit Geräuschen konfrontiert werden, sich nicht sofort beschweren, wenn es mal ein bisschen lauter wird. Durch gegenseitige Rücksichtnahme lassen sich viele Konflikte bereits frühzeitig auflösen. Kann man sich innerhalb der Nachbarschaft oder aber im gemeinsamen Gespräch von benachbarten Mietern mit dem Vermieter nicht eignen, kann eine Mediation helfen, Konflikte rund um Lärm zu lösen. Ab dieser Stufe kann es dann auch vorteilhaft sein, eine Rechtsschutzversicherung abgeschlossen zu haben. Durch sie erhält man rechtlichen Rat und, falls notwendig, weil letztlich auch die Mediation nicht zum Erfolg führt, rechtlichen Beistand.
Link zum Text: Obligationenrecht