Trinkspiel ''Neknomination'': Unabsehbare Risiken für Versicherte

Veröffentlicht am 12.02.2014.

Der Trend ''Neknomination'' hat nun auch die Schweiz erreicht. Woher dieses Trinkspiel kommt, ist nicht bekannt. Bei Neknomination geht es darum, ein alkoholisches Getränk zügig zu leeren, während man gleichzeitig eine kreative Aufgabe ausführt. Das Ganze wird gefilmt und ins Internet gestellt. Anschliessend werden auf dem Video drei weitere Personen markiert, welche das Gleiche machen sollen. Die Aufnahmen der Trinkspiele werden vor allem auf Facebook verbreitet. Die Allianz Suisse warnt in einer Pressemitteilung, dass die Teilnahme an Neknomination erhebliche Risiken birgt: Nicht nur wird die Gesundheit geschädigt, sondern der Spass kann auch schnell einmal teuer werden.
Neknomination: Bei Unfall kann Versicherung Zahlung verweigern
Dadurch, dass beim Trinkspiel 'Neknomination nicht nur viel Alkohol in schnellem Tempo getrunken wird, sondern gleichzeitig noch eine bestimmte Aufgabe ausgeführt wird, ist das Verletzungsrisiko erheblich. In einem Video ist beispielsweise ein Junge zu sehen, welcher sich die Shorts anzündet. Aber das Verletzungsrisiko ist nicht nur das eine Problem, wie Philippe Jakob, Leiter Unfall-Rechtsdienst bei der Allianz Suisse, in der Pressemitteilung zu bedenken gibt: „Wer sich verletzt, hat möglicherweise auch finanziell das Nachsehen, denn die Unfallversicherung kann unter Umständen die Zahlung verweigern, wenn jemand das Risiko leichtsinnig gesucht hat. Die rechtliche Lage ist komplex und könnte im Einzelfall eine eingehende Klärung erfordern.“
In der Schweiz sind Angestellte normalerweise im Rahmen des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) auch vor den finanziellen Folgen eines Freizeitunfalls geschützt – vorausgesetzt man arbeitet mindestens acht Stunden pro Woche. Verletzt sich jemand im Rahmen des Spiels Neknomination, wird jedoch in einem ersten Schritt geprüft, ob per Definition überhaupt ein Unfall vorliegt. Gemäss Artikel 4 des Bundesgesetz
es über den Allgemeinen Teil
 des Sozialversicherungsrechts (ATSR) ist ein Unfall „die plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Körper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat“. Die Verletzungen im Rahmen von Neknomination passieren oftmals jedoch beabsichtigt und nicht plötzlich. Dies hat zur Folge, dass von Seiten des Versicherers keinerlei Leistungspflicht besteht
Weitere Folgen: Leistungskürzungen oder Auflösung des Vertrags
Jedoch kann auch eine Verletzung eintreten, mit welcher der Versicherte nicht rechnen konnte. In einem solchen Fall liegt per Gesetz ein Unfall vor. Philipp Jakob warnt aber, dass die Versicherung prüft, „ob der Geschädigte eine aussergewöhnliche Gefahr oder ein Wagnis eingegangen ist.“ Ist dies der Fall, muss der Versicherte mit einer Leistungskürzung oder -verweigerung rechnen.
Zudem muss nicht nur im Rahmen der obligatorischen Unfallversicherung mit Einbussen gerechnet werden. Auch Jugendliche, Studenten oder Erwerbslose, welche oftmals über eine Krankenkasse oder Privatversicherung eine Unfallversicherung abgeschlossen haben, müssen mit einer Leistungskürzung rechnen. Die Privatversicherung kann sogar noch einen Schritt weiter gehen, und den Vertrag auflösen.
Solidarische Haftung aller Beteiligten

Die Teilnahme an Neknomination kann nicht nur für den Geschädigten teuer werden, sondern für alle Personen, welche in einen Fall involviert sind. „Falls nämlich die Versicherung für die finanziellen Folgen des Unfalls ganz oder teilweise aufkommt, kann sie von den Beteiligten Geld zurückfordern“ schreibt die Allianz in der Pressemitteilung weiter. Dies bedeutet, dass die Personen, welche in irgendeiner Form mitgewirkt haben, solidarisch haften müssten.
Link zum Text: Unfall, admin.ch